Otto Reutter war neuen Medien sehr aufgeschlossen. So nutzte er schon früh die Möglichkeiten der Schallplatte.
Zu erwähnen sind die so genannten Tonbilder, Stummfilme, die mit einer Schallpatte mit Reutters Couplets hinterlegt waren. Der deutsche Filmpionier Oskar Messter hatte ein Verfahren entwickelt, nach dem die Schauspieler sozusagen "Playback" zur Platte agierten, später diese Platte mit dem Film synchron abgespielt wurde. Schon 1897 arbeitete Otto Reutter mit Messter zusammen, wie dieser Brief von Reutter an Messter beweisst:
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Berlin, 27. Aug. 97
Allerliebster, allerbester Hoch geschätzter Herr von Meßter: Da es heut in dieser Stadt Kolossal geregnet hat Und ich keinen Schirm besitze, Der vor’m Regen mich beschütze, Da es leider mit dem Geld Für die Droschke schlecht bestellt (Denn das Geld für Taxameter Hab ich erst drei Tage später) Da ich ferner nur gedacht, Dass des Regen’s böse Macht
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Ihrem teuren Apparat Schaden könnte in der That Und ich hierauf – welch Verdruhs – Für den Schaden haften muhs – Da ich ferner – o Malheur – Keinen ganzen Stiefel mehr Und vom feuchten Elemente Dito Füße kriegen könnte, Also dahs ich heute Abend, Eine heis’re Stimme habend, Von des Volkes wilden Horden Ausgepfiffen wär’ geworden – Da auch heut die Garderobe – (Weil ja heute keine Probe) Zugeschlossen bis um acht – Und ich leider unbedacht Meinen Frack dort liehs – o Kummer, Den ich heute für die Nummer, Die ich Ihnen stellen sollte, Extra anprobieren wollte – Da ich dann auch weiterhin Mir gedacht in meinem Sinn, Dahs des Sonntags allemal Ihr geschätztes Personal Von der Woche Müh’ und Lasten Pflegen würde, auszurasten – Und dahs auch der Polizei Unser Thun nicht einerlei, Also dahs man uns im Nu Für gestörte Sonntagsruh’ Ein paar Tage, sowie Nächte |
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In die Dunkelkammer brächte. Da ich ferner nicht geglaubt, Dass es Ihre Frau erlaubt, Wenn Sie grad zur Mittagszeit, Wo das Essen doch bereit, Sich mit mir die Zeit vertreiben, Statt bei Ihrem Weib zu bleiben, Weil ich leider aber auch – Wie es bei mir stets der Brauch, Nach schlaflos verbrachter Nacht Erst heut Mittag aufgewacht, Als der Zeiger schon auf drei – Und die Zeit schon längst vorbei, Weil mir dies passiert, mein bester, Allerliebster Herr von Meßter, Deshalb – ich gesteh’s beklommen, Konnt’ ich nicht zu Ihnen kommen.
Otto Reutter
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(Dem begeisterten Reutter-Fan Herrn Naujeck aus Köthen sei für die Übertragung hier herzlich gedankt.)
1911/12 drehte er seinen ersten Stummfilm " Otto will Schauspieler werden" Produziert bei der Bioscope Länge 153 m und uraufgeführt am 13.1.1912. Weitere zwei Filme produzierte die Targa-Filmgesellschaft

- Otto heiratet [1914] Serientitel: Otto Reutter-Serie. I uraufgeführt im Oktober 1914

- Otto als Dienstmann [1914] Serientitel: Otto Reutter-Serie. II
- die Bioscope fertigte auch zwei Filme mit dem Block-Couplet (siehe Bild rechts) an
- 1907 gab es drei Filme der Bioskop, welche vielleicht mit Reutter sind, die Titelhaben auf jeden Fall einen Reutter -Bezug: Onkel Kühn aus Neu-Ruppin: Das ist mir ganz egal (1907)
Onkel Kühn aus Neu-Ruppin: Die Natur lässt sich nicht befehlen (1907)
Onkel Kühn aus Neu-Ruppin: Nee sowas (1907)
Von diesen Filmen existieren leider keine Exemplare mehr, nur 3 Standphotos sind erhalten. Weitere mögliche Filme mit Otto Reutter könnten folgende Filme sein:
- Otto, der Kinostar und der Dackel [1915]
- Otto hat Pech [1915]
Diese beiden Filme wurden auch bei der Targa- Filmgesellschaft produziert, weisen aber nicht extra Otto Reutter als Mitwirkenden aus.
Auch in der Zeit seiner Direktion des Palasttheaters am Zoo zwischen 1915 - 18 sollen kurze Filme produziert worden sein, die als Inhalt verschiedenen Situationen haben, welche Reutter auf dem Weg zum Theater passierten.
Des weiteren wirkte Otto Reutter auch in Statistenrollen verschiedener Filme mit, so etwa in einem Film über den Hauptmann von Köpenick. Im Film "Frühere Verhältnisse" von 1927, Regie Arthur Bergen, soll Reutter einen Theaterdirektor gespielt haben.
Otto Reutter selbst reimte zu folgenden Filmen:
Reutter im Kientopp
Hab einst die Nase sehr gerümpft Als stolzer Humoriste Hab auf den "Kientopp" oft geschimpft Und auf die Flimmerkiste Und jetzt - was ist mit mir nun passiert? - Es schwindet jeder Einwand Beim Kino bin ich engagiert Und tingle auf der Leinwand Kaum glaublich scheinst mir in der Tat! - Was hab ich seit vier Wochen Nicht alles vor dem Apparat Erduldet und verbrochen! Ich werd verprügelt windelweich, Bin vom Gerüst gefallen - Kriegt links und rechts `nen Backenstreich - Ich hör ihn heut noch knallen. Ich mußt mich mit zwei Negerlein Als Vater produzieren, Die Szene machte Müh und Pein Ich mußt sie repetieren Ich hab gelächelt, hab getobt - War böse, war zufrieden Ich war verheirat`, war verlobt, War ledig und geschieden Jedoch so oft gefilm ich bin - Ich sag es ungelogen: Ich ward von meiner Partnerin in jedem Film betrogen. Da sagt ich voller Herzenspein Mit schlecht verhalt`nem Grolle: "Muß ich den stehts betrogen sein? Gebt mir ne bessre Rolle!" So sprach zum Filmchef ich betrübt. - Der sagt`- das war mir peinlich - "Ein Film, worin die Maid Sie liebt, Der wär zu unwahrscheinlich."
"So sei`s denn!" rief ich seufzend aus Ich spielt die tollsten Chosen. Ich trat im Weiberrocke heraus Und kam in Unterhosen. - Jawohl, in Unterhosen nur - So lief ich mit Gezeter Auf offner Straße voll Bravour An hundert Kino-Meter. Die Straße stand voll Menschen dann, Die kam`n in wilden Horden Und riefen "Kiekt mal Reutter an, der ist verrückt geworden!" Dann rief ich bös: " Nicht weiter gehts, Ich leg die Arbeit nieder!" Und war des Abends, fragt ich stehts: "Sehn wir uns morgen wieder?"
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| Die unermüdliche Roswitha Goos fand bei YouTube diesen Film mit wenigen Sekunden Otto Reutter (?) im Varieté Wintergarten Berlin |
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