Reutter heute

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Die vier Patienten

 Vor kurzer Zeit da hat ich 'nen sonderbaren Traum
Ich träumt', ich wär' nen Doktor und käm' zum Warteraum
Dort saßen vier Patienten, die Sache war kurios
Ein Engelländer und ein Russ', ein Deutscher, ein Franzos'.

Zuerst kam der Franzose, der sprach, „Ich bin nervös
Auch heiser bin ich oft, Monsieur, Mondieu, tut mir die Kehle weh!“
Ich sprach „Dein ganzes Leiden kommt vom Revangegeschrei.
Du weißt doch schon von früher her, 's kommt nicht viel raus dabei.
Erst tobst und schreist du fürchterlich,
und nachher übergibst du dich.
Dein Leiden ist alt, weils von siebzig her rührt,
da haben wir, die Deutschen, was weg amputiert,
Nun kriegst du die Tobsucht, zwei-, dreimal im Jahr,
aber uns bringst du nicht in Gefahr!"

Nun ging ich zu dem Russen, der schrie und stöhnte sehr
Ich sagte „Bleib nur sitzen, dir fällt das Gehen schwer,
du hast das gelbe Fieber, durch Japan lange Zeit,
obwohl das nun vorüber ist, bist du sehr krank noch heut.
Ich muß dich operieren“, sagt ich und hab's getan.
„Herr Gott“ so rief ich da voll Graus,
„Wie sieht's in deinem Innern aus?!
Das gärt an allen Enden, ganz blutarm liegst du da.
Du hast ja Schwindsucht, Brand und Krätz und Pest und Cholera!
Die Glieder streiken nach und nach,
und ach dein Haupt is gar so schwach.
Dein Leiden ist schlimm, denn du kannst kaum noch gehen.
Du musst mehr ins Freie, denn die Freiheit ist schön!
Dann kommst du in and're Verfassung, mein Sohn,
aber sonst gibt’s ne Eruption!“

Jetzt kam der Engelländer, der schrie „Bin ich ne Null?!
Na denn, sag schnell, was fehlt mir? Mein Name ist John Bull.“
Ich sagte „Nur langsam, dann komm wir auch zum Ziel.
Ob dir was fehlt? Im Gegenteil, mir scheint, du hast zuviel.
Du bist ja ganz geschwollen, hast wohl die Wassersucht!
Ja auf dem Wasser scheinst du groß,
am Land ist weniger mit dir los!
Hast auch sehr lange Finger, du greifst damit zu weit!
Und dann, die Gelbsucht hast du auch,
John Bull, das kommt vom Neid!
Auch bist du nicht ganz schwindelfrei
und kriegst den größten Wahn dabei!
Dein Leid ist groß, kennst kein Maß und kein Ziel,
du leidest an Verstopfung, du frisst viel zu viel!
Dein Magen ist klein, gib die Hälfte ihm bloß
und dein Maul ist entschieden zu groß!“

Nun ging ich zu dem Deutschen, zu sehen ob er krank.
Der Kerl war eingeschlafen und schnarchte auf der Bank.
Ich weckte ihn und gähnend hat er mir dann erzählt,
die Schlafkrankheit, die hätte ihn schon jahrelang gequält.
In dem Moment da sah er, dort die drei andren stehn.
Da sprang er auf und sprach kein Wort,
und schlug und schlug in einem fort.
Bald lagen sie am Boden, in Kürze wars geschehn.
Ich muß gestehn, so munter habe ich Michel nie gesehn!
Da sagt ich „Michel, nun ist`s gut,
ich seh', daß dir nichts fehlen tut!
Du schliefst nur und träumtest, das ist jetzt vorbei.
Jetzt bist du erwacht und bezwingst alle drei,
drum brauch ich nicht helfen den andren drein,
denn die kurierst du ganz allein!"

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