Vergänglichkeit („Es war einmal“)
1. In meinem Zimmer hängt ’ne Uhr,
die tickt und tackt in einer Tour.
Der Zeiger kündet jederzeit
Vergänglichkeit, Vergänglichkeit....
Das tickt und tackt, es ist ’ne Qual:
Es war einmal, es war einmal!
2. Sie müssen mal die Jette seh’n
sehr üppig im Korsette geh’n,
doch wenn Sie die dann wiederseh’n
und sie mal ohne Mieder seh’n,
da liegt die Brust im Futteral -
Es war einmal, es war einmal!
3. Es flog ein Storch nach Potsdam hin,
er hatte was im Schnabel drin,
doch voll Erstaunen hört er dort:
Die Herrschaft ist nach Danzig fort!
Wir brauchen nichts, es ist fatal!
Es war einmal, es war einmal...
4. Wir leben in ’ner schnellen Zeit -
die Hochzeit gestern, Scheidung heut’.
’ne Frau, die oft geschieden war,
sprach kürzlich zu ’nem Mann: „Nicht wahr,
auch Sie war’n früher mein Gemahl?
Es war einmal, es war einmal.
5. Heut’ war bei mir ein Mägdelein,
das sprach: „Ich möcht’ dein eigen sein!“
Doch wer die Weiber kennt wie ich,
der liebt sie, doch er nimmt sie nich.
Drum dacht’ ich, als sie sich empfahl:
Es war einmal, es war einmal!
6. ’ne alte Maid steht vor Gericht.
„Wie alt sind Sie?“ der Richter spricht.
Da sagt sie: „Fünfundzwanzig Jahr!“ -
da lacht die ganze Zeugenschar.
Und gleich, so summt es durch den Saal:
Es war einmal, es war einmal!
7. Jüngst übte Richard Wagners Sohn
von sich ’ne Komposition.
Doch als die schönste Stelle kam,
da rief ein Geiger: „Wie infam!
Das kenn’n wir schon vom Parsifal!
Es war einmal, es war einmal!
8. Bei einer Wurst kann man nie schau’n
was drin ist. Ich hab doch Vertrau’n.
Ich nahm erst heut’ ne Wurst zu mir
und dacht’: „Sie bleibt ja doch nicht hier!
Vor morgen ist’s mir ganz egal –
Es war einmal, es war einmal!
9. ’s geht auf den Ball Frau Meyerbeer,
die Frau ist nicht die jüngste mehr.
Trotzdem geht sie stark dekolltiert,
da sagt ihr Mann sensationiert:
Komm, deck dich zu, hier ist’s zu schal...
Es war einmal, es war einmal.
10. Ein junges Pärchen ward getraut,
im Hochzeitsschmucke stand die Braut,
die Gäste sang’n beim Hochzeitstanz:
„Wir winden dir den Jungfernkranz“
Dem Bräut’gam war das sehr fatal –
Es war einmal, es war einmal!
11. So gibt’s noch Sachen ohne Zahl,
da kann man sag’n „Es war einmal!“
Doch alles nimmt ein End einmal,
drum schließe ich jetzt den Choral.
Der Text ist sowieso banal,
und die Musik ist öd und fahl.
Dem Dirigent, verdammt noch mal,
dem scheint die Sache nicht normal,
so hin und her und ganz egal
„Es war einmal, es war einmal...“
Das macht ihn krank, es ist fatal,
der Mann kommt schließlich in’s Spital,
das Publikum vor’m Grammophon
wird auch ganz blaß vor Ärger schon,
mir selber wird das Lied zur Qual,
drum gebe ich das Schlußsignal
und gehe ’raus aus dem Lokal –
Es war, es war einmal!