Das ist nischt - das macht Laune
1. Manches Weibchen, das ich sehe,
wird phlegmatisch in der Ehe.
Will der Mann von ihr ein Küßchen,
dann sträubt sie sich nicht ein bißchen.
Ganz mechanisch bleibt sie stehen,
ruhig läßt sie es geschehen,
daß er ihren Mund erwischt. -
Das ist nischt!
Nein - ihr müßt die Männer reizen,
müßt mit euren Reizen geizen!
Will der Mann euch mal umfassen,
müßt ihr‘n erst mal zappeln lassen.
Wenn das Männchen um euch herfällt,
dann seid spröde, wenn‘s auch schwer fällt.
Ihr müßt nicht gleich stehenbleiben,
ihr müßt schimpfen, müßt euch sträuben,
brecht ‘nen kleinen Streit vom Zaune,
das macht Laune, das macht Laune!
2. Junge Ehefrau Therese
sagt zum Gatten neulich böse:
„Ach, woran mag es nur liegen,
daß wir keine Kinder kriegen?
Möcht‘ so gern was Kleines wiegen
doch du gönnst mir kein Vergnügen.
Deine Liebe, die erlischt,
das ist nischt!
Sieh mal da im Hinterhause
bei dem Schneidermeister Krause!
Der Mann braucht sich nicht zu schämen,
da kannst du dir ‘n Beispiel nehmen.
Die krieg‘n jedes Jahr ‘nen Rangen,
der erfüllt der Frau Verlangen,
den bewundre ich und staune:
Das macht Laune, das macht Laune!
3. Harmlos sitzt so mancher Zecher
gern bei Bier und Würfelbecher.
Sehr beliebt ist‘s auch bei vielen
Schafkopf und Tarock zu spielen.
Manchen aber auch, den kenn ich,
der um einen Viertelpfennig
einen Dauerskat gern drischt.
Das ist nischt!
Aber wenn in unsern Tagen
du bei feinsten Sektgelagen
sitzst in raffinierten Räumen,
süße Weiber dich umträumen,
und es wird ein Spiel begonnen,
hunderttausend dort gewonnen,
kleinster Einsatz, das sind „Braune“ –
das macht Laune, das macht Laune!
4. Die ins Varieté heut gehen,
haben alles schon gesehen:
Chansonetten und Gymnastik,
Akrobatik, Mimik, Plastik.
Aber ganz besonders triste
ist es, wenn der Humoriste
ein paar alte Phrasen drischt.
Das ist nischt!
Nein, heut muß man engagieren
einen Mann mit wilden Tieren.
Wird der Kerl halb aufgefressen,
dann klatscht alles wie besessen.
Schleifenfahrer müssen stürzen,
Ringkampf muß die Sache würzen;
einer kriegt von hinten Keile
und *der* kriegt von vorn ‘ne Beule
und ‘ne Nase, ‘ne verhau’ne
das macht Laune, das macht Laune!
5. Ein sehr weitgereister Seemann
sitzt bei einem deutschen Ehmann
und sagt zu ihm: „Lieber Lehmann,
du mit deiner Liebe geh man,
denn bei euch in eurem Reiche
wird euch jeden Tag das gleiche
Quantum Liebe aufgetischt.
Das ist nischt!
Nein, das Herze darf nicht darben,
drum lieb ich in allen Farben:
Wenn nach Afrika ich schunkle,
nun, dann nehm ich mir ‘ne Dunkle.
In Australien da unten,
schwärm ich für die Kunterbunten,
hab ‘ne Weiße an der Elbe,
hab in China eine Gelbe,
in Amerika ‘ne Braune,
das macht Laune, das macht Laune!
6. Wenn ich mein Couplet hier singe
und stets neue Verse bringe
und ich schau von oben runter,
sitzt das Publikum mitunter
ohne sich zu amüsieren,
niemand denkt ans Applaudieren.
Schließlich wird sogar gezischt:
„Das ist nischt!“
Nein - die Leute müssen klatschen,
feste in die Hände patschen.
Bringen wir hier gute Sachen,
müßt ihr schreien gleich vor Lachen.
Wenn wir schlechte Witze machen,
müßt ihr noch viel lauter lachen.
Nun benutzt mal eure Tatzen,
alle Handschuh müssen platzen!
Ja, dann freu’ ich mich und staune,
das macht Laune, das macht Laune!