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Wo war’n Sie denn so lange?

 
1. Ich habe einen Freund gehabt,
der Mann war ein Bankier.
Der nahm sich etwas viel heraus –
man sperrt’ ihn ein – oje!
Er saß ’ne ganze Weile dann
allein im tiefsten Weh.
Als ich ihn endlich wiedersah,
da frug ich den Bankier:
„Wo war’n Sie denn so lange?“
Da sagte er beklomm’n:
„Na wenn der Mensch ’ne Bank hat, kann
er leicht zum Sitzen komm’n!“
 
2. Des Nachbars Fritz, der Schlingel, geht
nicht gern zur Schule rein.
Er lernt nicht viel, er ist sehr faul
und frech noch obendrein.
Drum sagt der Lehrer heut’ zu ihm:
„Du sitzt ’ne Stunde nach!“
Um ein Uhr kam er erst nach Haus –
der strenge Vater sprach:
„Wo warste denn so lange?“
Da sagt der Schlingel keck:
„Mein Lehrer hat mich gar zu gern,
der läßt mich gar nicht weg!“
 
3. ’ne Dame vom Theater hier,
schon an die hm-zig Jahr’,
die ist schon Großmama und stellt
noch Backfischrollen dar.
Wenn sie mal auftritt, geht sie in’s
Theater schon um vier.
Und wenn es achte ist, dann sagt
der Regisseur zu ihr:
„Wo bleib’n Sie denn so lange?“
Dann schminkt sie sich uns schreit:
„Bis ich hier achtzehn Jahre werd’,
das dauert seine Zeit!“
 
4. Im Reichstag gibt’s Diäten jetzt.
Ich kenn’ ’nen Herr’n im Saal,
der holt sich jeden Tag sein Geld
und geht in’s Ballokal,
sitzt dort bei üpp’gen Mägdelein,
die voll und rund gebaut.
Des Morgens kommt er erst nach Haus –
dann fragt sein Weibchen laut:
„Wo bleibst du denn so lange?“
„Ach“, sagt er: „laß mich ruh’n!
Wir hab’n jetzt mit der Fleischnot
so riesig viel zu tun!“
 
5. Ich hab’ mit einer Maid soupiert
des Abends noch nach Zehn.
Die Dame trug ein enges Kleid
und konnte kaum drin geh’n
Beim Essen stand sie plötzlich auf
und blieb ’ne Weile weg.
Als sie dann endlich wiederkam,
da frug ich voller Schreck:
„Wo bleibst du denn so lange?“
Da sprach sie: „Bitte sehr –
trag’ DU mal so ’nen engen Rock,
dann kämst du gar nicht mehr!“
 
6. Wenn mal der Zar ’ne Reise macht,
dann ist das wunderschön.
Beamte nur und Militär
bekomm’n ihn da zu seh’n.
In Deutschland war er lange Zeit,
jetzt reiste er nach Haus.
Als ihn die Mutter wiedersah,
da rief sie fröhlich aus:
„Wo warst du denn so lange?“
„Ach frag’ nicht!“, sprach der Zar,
Ich hab’ bloß Militär geseh’n –
ich weiß nicht, wo ich war!“
 
7. Der König Manuel, der ist
aus Portugal entfloh’n.
Er sitzt wie wir jetzt auf ’nem Stuhl –
verzichtet auf den Thron.
Der Thron im schönen Spanien,
steht auch bedenklich schief,
drum schrieb der kleine Manuel
an Alfons einen Brief:
„Wo bleibst DU denn so lange?“
„Ich komm’ baldmöglichst her!
Ich pump’ mir nur noch’s Reisegeld,
dann fahr’ ich hinterher!“
 
8. Ein sehr geplagter Ehemann
verliert sein liebes Weib.
Er aber lebt noch manches Jahr
im schönsten Zeitvertreib.
Dann schließt auch er den Lebenslauf
und fliegt zum Himmel ein –
da oben steht schon seine Frau
und fängt gleich an zu schrei’n:
„Wo bleibst du denn so lange?“
Da sagt er ihr ganz stramm:
„Nun schimpf’ mal nicht, wir sind ja noch
’ne Ewigkeit zusamm’n!“
 
9. Ein Ehepaar blieb kinderlos,
was IHM sehr wehe tat.
Drum schickt, weil’s ihm der Doktor sagt
der Mann die Frau in’s Bad.
Und richtig, schon nach kurzer Zeit,
da pocht’s an’s Fenster – horch!
Da bringt der Storch ’nen Jungen an
und Vater sagt zum Storch:
„Wo bleibst du denn so lange?“
Der Storch sagt zum Papa:
„Schick deine Olle früher weg,
dann bin ich früher da!“

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