Mensch, was haste nun davon
1. Es wohnt ein Mann in einer Stadt,
der aß vor Geiz sich niemals satt.
Er tat sparen
schon seit Jahren,
gönnt' sich kaum ein Stückchen Brot,
blieb verschlossen
und verdrossen –
eines Tags, da war er tot.
Halb verhungert
hat gelungert
er vor'm Geldschrank bis zuletzt.
Ja, sie haben
ihn begraben.
Voller Wehmut denk' ich jetzt:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Niemand ist so arm wie du, so will's mir scheinen.
Keine Seele weint um dich,
deine Erben freuen sich.
Hätt'st du nichts gehabt, so würden sie jetzt weinen.
2. Mein Freund und ich, wir alle beid',
fuhrn auf 'nem Schiff vor kurzer Zeit.
Als das Schiff kaum
fortgefahren,
ging mein Freund
zum Speisesaal.
Fleisch und Fische
gab's bei Tische.
Er aß alles auf einmal.
Aber plötzlich,
's war entsetzlich,
ward ihm schlecht, er mußt' hinaus.
Seine Speise
tat 'ne Reise
in das Meer und ich rief aus:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Hab ich lachend da zu meinem Freund gesprochen.
Doch auf einmal, o Malheur -
konnt ich auch nicht reden mehr.
Mir ward schlecht, ich hab die Rede unterbrochen.
3. Ich kenn 'nen Mann, wie's wen'ge gibt,
der hat als Jüngling nie geliebt.
„Immer hasten,
niemals rasten“,
sprach geschäftig er und schlau.
Als er reich
und alt zugleich,
da nahm er erst 'ne junge Frau.
Für die Liebe,
dacht er, bliebe
ihm auch jetzt noch Zeit genug.
Doch die Stunden
sind entschwunden,
wo das Herz ihm höher schlug.
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Viel zu spät hast du die Liebe dir errungen.
Er sagt täglich jetzt zu ihr:
„Einen Jungen wünsch' ich mir.“
„Ja“, sagt sie und seufzt, „ich wünsch' mir auch 'nen Jungen.“
4. Herr Krause geht des Nachts allein,
kommt in 'ne Damenkneipe rein.
Als sechs Damen
dorten kamen,
war ihm das ein Hochgenuß.
Ja, er prahlte
und bezahlte
und bekam nicht mal 'nen Kuß.
Die Moneten
gingen flöten,
schließlich warf man ihn hinaus.
Als Herr Krause
kam nach Hause,
rief sein Weibchen jammernd aus:
„Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Warum bliebst du nicht bei mir in unsrer Klause!
Kannst auch dort sehr lustig sein,
hast dort Bier und hast dort Wein
und was du sonst noch brauchst, das kriegst du auch zu Haus.“