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Nee sowas

Nee sowas
 
1. Gibt’s mal in 'ner Kleinstadt 'ne Kaffeevisit,
dann sitzen die Basen beieinand’,
erzähl'n sich das Neu'ste. Was eine nicht weiß,
das gibt ihr die andre bekannt.
Da gibt's ein Geklatsche: „Ach wissen Sie schon?
Sie kenn'n doch Frau Müller, die eitle Person,
die hat mit 'nem ganz neuen Hut jetzt geprahlt. –
Der alte ist noch nicht bezahlt.“
„Nee sowas, nee sowas!“
„Bei Meiers Klothilde, bedenken Sie nur,“
- „nee sowas, nee sowas!“ -
„da ging die Verlobung retour.“
„Der Ält'ste von Lehmanns, der ward nicht versetzt,
der Bengel, der ist auch zu dumm.“
„Und Fräulein Schulz heirat't ihr'n Zimmerherr'n jetzt,
man kann sich schon denken warum!“
 
2. Der Adam, das ist wohl 'nem jeden bekannt,
war erst auf der Erde allein.
Er konnte stets ruh'n - hatte gar nichts zu tun,
das mußt' doch sehr langweilig sein.
Drum schlief er fast immer bei Tag und bei Nacht,
und als durch 'nen Rippenstoß einst er erwacht,
sah er ein Wesen hold lächelnd im Gras.
Erstaunt rief er aus: „Was ist das?
Nee sowas, nee sowas!
Da liegt was, das sieht doch bald aus so wie ich,
nee sowas, nee sowas!
Ich glaube, das ist was für mich.
Jetzt hab' ich Zerstreuung, das finde ich schön,
man hat mir ein Spielzeug gebracht.
Nur eins ist fatal, es ist niemand zu seh'n,
der mir sagt, was man wohl damit macht.“
 
3. Der Großvater möcht' seinen Enkel mal sehn,
drum fährt in die Stadt er hinein.
Die Mutter hat grad' in der Küche zu tun,
er ist mit dem Bengel allein.
Der hat in der Wiege im Schlaf sich gedreht,
das Unt're nach oben, wie's manchmal so geht.
Der Alte, dem's schon an der Sehkraft gebricht,
der merkt nichts davon und er spricht:
„Nee sowas, nee sowas!
Man schreibt mir, er hätte des Vaters Gesicht.
Nee sowas, nee sowas!
So'n Kopf hat der Vater doch nicht.“
Er läuft in die Küche in schnellem Galopp,
dort trifft er die Tochter und spricht:
„Was hat denn dein Kind für 'nen komischen Kopp,
hat nicht mal 'ne Nas’ im Gesicht!“
 
4. Die Annemarie war kaum zwanzig Jahr alt,
als sie ihren Liebsten gefreit.
Ihre Freundin Mathilde, ein blutjunges Ding,
war auch bei der Hochzeit voll Freud'.
Nach kurzer Zeit trifft sie die Annemarie.
„Wie gehts in der Ehe?“ fragt neugierig sie.
„Was macht ihr, was treibt ihr denn, seid ihr beglückt?“
Da sagt ihre Freundin entzückt:
„Nee sowas, nee sowas!
Ich hab' mir das gar nicht so schön vorgestellt.
Nee sowas, nee sowas!
Mein Mann ist der beste der Welt.
Das Feuer der Liebe, das lodert so hoch,
sein Herze, das macht nie bankrott.
Ich kann dir nur eins sagen: Heirate ooch,
Mathilde, du lachst dich kapott!“

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