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Das ist der Blitz, der alles rings erhellt

1. In schwüler Nacht, wenn keine Sterne funkeln,
kommt ein Gewitter – alles liegt im Dunkeln.
Da blitzt es hell – und nun, mit einem Mal
beleuchtet alles grell des Blitzes Strahl.
Im Leben auch – wenn wir im Dunkeln schwanken,
enthüllt EIN Blitz tiefschlummernde Gedanken.
Man möcht’ zum Beispiel schreiben ein Couplet –
im Kopf ist’s dunkel – plötzlich ’ne Idee:
Das ist der Blitz,
der alles rings erhellt.
Jetzt kommt ein Witz,
der jedem gut gefällt.
Nun strömt des Witzes Schleuse,
die Leute lachen sehr,
dann folgen die Appläuse
als Donner hinterher.
 
2. Es führt der Hans die Liese auf die Wiese
und sagt: „Schau’ her, ’s ist wie im Paradiese.
Die Vögel lieben sich auf Baum und Strauch,
und was die Vögel tun, das tun wir auch.
Die Tauben girr’n, es schnäbeln sich die Schwalben,
nur Liebeslieder sing’n sie allenthalben.
Auf Amsel, Drossel, Fink und Lerche horch!“ –
In DEM Moment sieht Liese einen Storch…
Das ist der Blitz,
Der alles rings erhellt.
„Nee“, sagt sie spitz,
„Jetzt räume ich das Feld.
Hör auf mit dem Gemogel,
laß alle Vögel steh’n,
ich hab’ den richt’gen Vogel
zur rechten Zeit geseh’n!“
 
3. Mariechen – nicht sehr schön und über dreißig,
möcht’ gern ’nen Mann, drum inseriert sie fleißig.
Drauf kommt ein Jüngling, der ihr sehr gefällt,
doch ER hat SIE sich anders vorgestellt.
Sitzt ziemlich kühl – sie schwärmt von Lenz und Liebe,
von kleinen Kindern – er blickt ernst und trübe.
Sie sagt: „Ich hab’ ein Herze treu und stark
und später krieg ich hunderttausend Mark.“ –
Das ist der Blitz,
der alles rings erhellt.
Von seinem Sitz
ist er emporgeschnellt.
Er sagt: „Du süßes Viehchen,
ich lieb’ dich wie noch nie!" –
Dann küßt er sein Mariechen
Und denkt an die „Marie“.
[Pantomime des Geldzählens]
 
4. So manche Maid will heut’ allein regieren,
sie will vom Eh’mann sich emanzipieren.
Sie sagt: „Ich will! Kein and’rer Wille sei!
Ich brauch’ nur meinen Kopf, mein Herz bleibt frei.
Das hat sich manche in den Kopf genommen –
doch es braucht nur einmal der Rechte kommen,
dann hat sie ’n Kopf verlor’n, dann wird sie klein,
dann dringt sein Blick ihr tief ins Herz hinein.
Das ist der Blitz,
der alles rings erhellt.
Es nützt ihr nix,
daß sie sich spröde stellt.
Sie hat nichts mehr zu wollen,
sie fühlt nur: sie ist sein –
sie hört den Donner rollen [entsprechende Musik]
Und nachher – schlägt es ein.

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