Die Lorelei
Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
ein jeder kennt wohl das Lied,
vom Fischer vor uralten Zeiten,
der oben die Jungfrau sieht.
Nun trafen sich jüngst auf der Reise,
viel fröhliche Männer am Rhein,
und jedem auf eigene Weise,
fiel dann dieses Liedchen ein.
Was jeder gesprochen, das meld' ich sofort,
zuerst nahm ein biederer Bayer das Wort:
Es sitzt eine Jungfrau auf'm Felsen am Rhein,
Als i des gles'n hob, hob i glei dacht,
so a Jungfrau die muß wohl was seltenes sein,
drum hab'ns a G'dicht glei drauf g'macht.
I denk ma jetzt viel, doch i sag halt koan Ton,
i glaab dös könnt nimma vorkommen heut'
denn die G'schicht mit der Jungfrau war damals ja schon,
ein Märchen aus uralter Zeit.
Aus Mecklenburg kam nun ein Bäuerlein dran,
das fing an zu mäkeln und sagte alsdann:
I wat soll ick dorto spräken,
und mir noch meen Kopp zerbräken,
ob dat schlecht war oder gaut,
hän(hin) is hän und daut (tot) is daut.
He fällt rin und se bleft leben,
wat kanns da zum snacken geben.
Do goht man to annnern Männern,
ick sägg bloß - ick kannt nich ännern. - fertich.
Ein Schwabe aus Stuttgart der ward nun gefragt,
was er davon halte, da hat er gesagt:
Na wenn'se wolle da mach ich halt auch a Witzle,
von dem Witzle-Gefitzle auf dem Felse' gspitzle,
Es isch halt so, i sag's halt immer:
s' kommt alles her von de Frauenzimmer,
da sitzt so a Weibsbild obe am Rhein,
und kämmt sich - na freilich, das Kämmen muß sein,
aber sie konnt doch beim Kämmen das Singe lasse,
braucht'n net von der Welle verschlinge lasse,
Aber so geht's halt sobald de Weibsleut schrein,
werde die Männer verrückt und falle se nein,
D'Mannsleut bleibt nichts als schalt' und walten,
und Weibsbilder ham's Maul zu halten.
Des isch mei Meinung - fertisch.
Ein Rheinländer kam jetzt aus Köln an dem Rhing
der ließ sich nicht nöt'gen, er fing an zu sing':
Es föhr een Föscher ob'm Rhing (Rhein)
da hört er eene Jungfrau singn,
wat maachste', säht er, bist wohl jäck? [verrückt]
dat Singen da oben, det hat kee'n Zweck,
dann singen kannst'e unte ooch,
"Ja", säht se, aber nich so ho-o-ch.
Dat stimmt - fertisch.
Aus Preußen ein schneidiger Referendar,
der sprach kurz und bündig: "Die Sache ist klar
Aber meine Herrschaften, die Sache ist ja sehr einfach:
Ein Fischer, froh und heiter,
sieht oben 'n Weib - nun freut er
sich sehr - er sucht 'ne Leiter,
möcht rauf als ihr Begleiter.
Er plumpst in 'n Rhein - nun schreit er -
sie kämmt sich ruhig weiter, Fertig!"
Ein Ungar, ich glaub' mit Mikosch verwandt,
war auch gleich mit eigener Meinung zur Hand:
Aine Dome deren Hoor,
ihre einz'ge Kleidung war,
sitzt sich froh bai Abendscheine,
singt sich Lied von Heinrich Heine.
Dos sogt Fischer "Es wär' nett,
laß uns singen ain Duett"
ober dos hot schlecht geklungen,
sie hot viel zu hoch gesungen.
und dos Fischer, wos ertrunken,
hot sich viel zu tief gesunken.
Ein sehr stolzer Herr von Hannover'schen Land,
der sprach selbstverständlich mit sehr viel Verstand:
Die Sache ist zwar sehr fataaaal,
aber es ist mir schließlich ganz egaaaal,
auf einen Felsen spitz und schmäl,
singt ne' Jungrau 'nen Choräl,
Der Fischer im tiefen Täl,
der sagt zu ihr voll liebesquaaaal,
"Du bist das Mädchen meiner Wahl,
ich liebe dich ganz kolosaaaal"
Da singt sie 'n letzten Vers nocheinmal,
und er fällt rein in den Kanal,
-Stimmt!
Ein schneidiger Leutnant war auch bei den Herr'n,
er wollt zwar nicht singen, er sprach dafür gern:
"Ähää, die Lorelei da oben,
jawohl, die muß ick loben,
Doch nicht den Fischerknaben,
der laß sich man bejraben.
Wie kann der Mensch so reinfall'n,
hähä - würd mir doch gar nicht einfall'n,
Wenn die vom Felsensockel,
mich da so mit Monokel
jesehn un mit'n Orden,
na da wär' doch sie paff jeworden.
Ich wär' nicht hinjeschwomm'n,
hä - die wär' zu mir jekomm'n.
Ich hätt ihr dann frohlockend,
die Haare abjetrocknet,
und dann -äh!- beim Küsseknallen
na dann wär sie doch reinjefallen.
Aber Jründlich! - Fertich!"
Herr Blümchen aus Sachsen der sprach noch "Wie wärsch?
Wenn sie gietigst erlobn mach ich och noch ä Versch"
Die Loorelei die hat e Gamm,
in ihren Händen hat'sen,
nun gämmt se sich, warum ooch nich,
se gann sich doch nicht kratzen.
Sie gämmt sich nu dagaus, dagein -
warum dut das das Mägdelein,
ich will nüscht sagen, doch mir fällt ein,
ich war mal uff dor Rei-i-se,
wie mirsch da ging das sag ich nich,
stets gämmte meine Haare ich,
aus diesen Grunde globe ich,
gämmt och de Loreley se.
Herr Itzig aus Polen kam nun an die Reih'
Er sprach "Na wenn se winschen, da bin ich so frei:"
"Es sitzt am Rheine, beim Abendscheine,
ä Jungfrau auf'm Felsen!
A Liedchen singt 'se,
nen Fischer winkt 'se,
Warum? Na vielleich will'sem (will sie ihn)
Wär's mir passiert, ich sag's ungeniert,
Was soll das heruntergegucke,
Was machste, wast treibst'e,
komm runter, wo bleibst'e,
biste'e krank oder bist'e meschugge![verrückt]
Und sollst'e vom Felse nicht runter derfen,
na dann kannst da mer wenigstens,
den gold'nen Kamm runterwerfen!
Fertig!
Nun kam ein Berliner, der sprach voll Verdruß:
"jetz halt mal die Klappe, ick mach jetzt'n Schluß:
Uff eenen Felsen setzt se sich,
ob se heut noch dasitzt, weeß ick nich,
de joldnen Haare kämmt se sich,
ob se se heut noch hat, det weeß ick nich,
stolz nennt se eene Jungfrau sich,
ob det heut noch stimmt, det weeß ick nich.
- Na, da warn se alle fertig!"