Mir hab'n se als jeheilt entlassen
1. Ick falle auf bei jroß und klein,
ick hab' nich viel in meinem Hirne.
Mit mir solls nich janz richtich sein,
man sagt, ick hätt' 'ne weiche Birne.
Zum Irrenhaus bracht' man mich hin,
da war'n schon Stücker sechs Insassen,
die sechse, die sind heut' noch drin –
mir hab’n se als jeheilt entlassen!
2. Ob ick jeheilt bin, weeß ick nich,
se könn's ja selber mal probieren.
'ne Steuerrechnung kam für mich –
ick fand 'nen Fehler beim Addieren.
Zu wenig stand uff dem Papier,
ick stürmte alle Steuerkassen:
„Sie krieg'n ja noch zehn Mark von mir!“
Mir hab'n se als jeheilt entlassen!
3. Ick lebe jerne jut, wenn’t jeht,
bin früha mal Rentier jewesen.
Jetzt hat sich's leider ausrentjeet,
doch nächstens komm' ick uff de Spesen.
Ick hab' ja jroße Sicherung,
ick krieg' mein Jeld zurück in Massen,
ick gloobe an de Aufwertung....
Mir hab’n se als jeheilt entlassen!
4. Verheirat't war ick schon viermal,
die erste lebte unjezüjelt,
die zweete machte viel Schkandal,
die dritte hat ma oft vaprüjelt,
die vierte floh mit eenem Mann
und tat mit ihm mein Jeld verprassen.
Jetzt schaff ick mir de fünfte an –
mir hab'n se als jeheilt entlassen!
5. Ick hab `n ziemlich jroßet Maul,
doch sonst bin ick recht enerjielos,
zur Arbeet bin ick viel zu faul,
drum kooft ick mir 'n Lotterielos.
Die Lotterie war Lotterei,
ick spielte durch in alle Klassen.
Jewonn'n hab'm bloß Beamte, zwei,
mir hab'n se als jeheilt entlassen!
6. Det ick schon alt bin, macht mir Schmerz,
nu las ick jroße Inserate:
„Wir schaffen dir ´n junges Herz!“
Drum fraß ich fleißig „Lukutate“
Jedoch mein Staunen war sehr jroß:
Vorn war de Wirkung nicht zu fassen,
bei mir, da wirkts von hinten bloß –
mir ham se als jeheilt entlassen!
7. Ick kam in eene Schläjerei
und kriegte eens uff meine Birne.
Ick hab’ mir nich jewehrt dabei
weil ick mir nich so leicht erzürne.
Ick hielt janz still und dachte prompt:
Im Oogenblick wird man euch fassen –
ick wart’ bloß, bis een Schutzmann kommt.
Mir ham se als jeheilt entlassen.
8. Für Bildung hab’ ick hohen Sinn,
ick lese jerne in de Zeitung.
In meenen Kopp, da jeht wat rin,
ick hab’ ’ne ziemlich lange Leitung.
Ick les’ nich allet, wat erschien,
nich so ’ne Sachen, so ’ne krassen –
ick les’ den „Heit’ren Fridolin“.
Mir ham se als jeheilt entlassen.
9. Een Mädel war schon oft verlobt
und sacht trotzdem, se hätt’ im Leben
noch nie jeküßt – ick hab’s jegloobt,
zur Hochzeit hat se sich bejeben.
Ick folchte ihr beim Hochzeitstanz
und sang janz laut in allen Jassen:
„Wir winden dir den Jungfernkranz.“
Mir ham se als jeheilt entlassen.
10. Ick jing in een Theata hier,
ick seh’ sehr jerne solche Sachen.
Beim Lustspiel jräm’ ick meistens mir,
beim Trauerspiel, da mußt’ ick lachen.
Um sieben stand’n schon haufenweis
die Leut’ mit Bons an allen Kassen,
bloß ick bezahl’ den vollen Preis –
mir ham se als jeheilt entlassen.
10. Vor kurzem prüft’ man mir nochmal,
und stellte mir verschied’ne Fragen.
Man wollte seh’n, ob ick normal,
die deutsche Hauptstadt sollt’ ick sagen.
Ick dacht’: „Die Hauptstadt soll et sein“ –
und hatt’ keen’n Schimmer, keenen blassen –
da endlich fiel mir – Cottbus – ein.
Mir ham se als jeheilt entlassen.
11. Sonst jeht’s mir ziemlich anjenehm,
ick könnt’ ja ooch da unten sitzen. [auf die Zuschauer zeigend]
Da säß’ ick mollig und bequem
und brauchte nich hier oben schwitzen.
Wat bin ick bloß für een Idiot –
hier steh’ ick nu un schneid’ Grimassen –
SIE schweigen und ick schrei mir dot.
Mir ham se als jeheilt entlassen.