Aber glücklich macht das nicht
Jeder möchte mal glücklich werden
Doch die Zeit entflieht im Trab
Lauter Pflichten und Beschwerden
Halten uns vom Glücke ab
Täglich gibt’s zu viele Pflichten
Gilt’s das Gleiche zu verrichten
Einen Tag zieht’s wie den andern
Und im ganzen Jahre wandern
Steht die nämliche Geschicht
Ja ja, aber glücklich macht das nicht.
Vierundzwanzig Tagesstunden
Werden monoton verbracht
Ohne dass du Glück gefunden
Schon zum Schlafen brauchst du acht
Diese acht, die unentbehrlich
Rauben dir schon vier Monat, jährlich
Ist ja schön, du liegst im Schlummer
Träumst von Tageslast und Kummer
Schnarchst du bis dass der Tag anbricht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.
Nun komm’n weitere acht Stunden
Die gehör’n der Tätigkeit
Jeder weiß grad mit der Arbeit
Da vertrödelt man die Zeit
Ist ja schön, du kannst dir sagen
Darfst dich für den Staat jetzt plagen
Wirst du dich ein wenig sputen
Bleiben noch vier und’n paar Minuten
Oder machst ne Überschicht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.
So, nun hab’n wir sechzehn Stunden
Macht acht Monat schon im Jahr
Nun brauchst du vier halbe Stunden
Um zu Essen, das ist klar
Ist ja schön, wenn all die deinen
Die du liebst, bei Tisch erscheinen
Doch für dich ist nichts geblieben
Sagst, wenn’s euch nur schmeckt ihr Lieben
Leist ich selber gern Verzicht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht
So, nun hab’n wir achtzehn Stunden
Sind im Jahr neun Monat schon
Nun kommt täglich falsch verbunden
Eine Stunde Telefon
Du willst dreiunddreißig Danzig
Und kriegst Leipzig zweiundzwanzig
Ist ja schön, du hast zwar Eile
Und hörst nun ne ganze Weile
Was der Herr aus Leipzig spricht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.
Nun sind’s neunzehn und jetzt braucht du
Auf dein Äußeres wohlbedacht
zum rasier’n ne Viertelstunde
was dich auch nicht glücklich macht
Musst dann deinen Kindern dienen
Spielst ein Stündchen mal mit ihnen
Trägst den Kleinsten, drückst ihn feste
Plötzlich wird dir warm die Weste
Ist ja harmlos von dem Wicht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.
Nun sind’s zwanzig und ne viertel
Jetzt kommt die Geselligkeit
Freunde kommen und Verwandte
Stell’n sich ein zur Abendzeit
Ist ja schön, ihr geht spazieren
Kannst die Schwiegermutter führen
Kannst drei Stunden im Kino schwitzen
Kannst auch im Theater sitzen
Hörst von Reutter ein Gedicht
Ja, ja, aber glücklich machst das nicht.
Dreiundzwanzig und ne Viertel
Nun musst du noch täglich weih’n
Deiner Frau n halbes Stündchen
Musst doch auch mal zärtlich sein
Ist ja schön, die Frau zu küssen
Weniger schön ist nur das Müssen
Küsst man eine regelmäßig
Küsst man in der Regel mäßig
Du erfüllst dann deine Pflicht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.
Dreiundzwanzig und drei viertel
Eine Viertelstunde noch
Die braucht du für … gern verschwieg ich’s
Aber streifen muss ich’s doch
Täglich fühlst du ein Bedürfnis
Spürst ein inneres Zerwürfnis
Ist ja schön, das was ich meine
Du liest Zeitung, bist alleine
Du verringert Dein Gewicht
Ja, ja, aber glücklich macht das nicht.