Joseph Kenn, geboren am 21.9.1757 in Zweibrücken, kam 1782 nach Paris. Ab 1783 war er 2. Hornist an der Großen Oper in Paris und einer der großen Solisten am sogenannten „cor basse". Von 1795 bis 1802 war er außerdem Professor für Horn am Pariser Conservatoire. Zu seinen Schülern zählte auch Louis Dauprat. 1802 wurde er bei der Reform des Conservatoire entlassen, 1808 als 2. Hornist pensioniert. Dauprat wurde sein Nachfolger. Kenn starb am 14. Februar 1840 in Fontainebleau.
Für das Horn schrieb Kenn Horntrios, Duos für Horn und Klarinette sowie verschiedene Duosammlungen für 2 Hörner.
Die vorliegende Sammlung von insgesamt 36 Trios für 3 Hörner hat ihren Ursprung in einem Druck mit 24 Trios, die 1797 erstmals im Verlag Imprimerie du Conservatoire in Paris unter dem Titel „Recueil d'airs" erschienen. Nach 1808 – auf dem Titel dieses Druckes wird Kenn bereits als „pensionnaire de l'Opéra" bezeichnet – kam beim Verlag Janet et Cotelle in Paris (Plattennummer 91) eine Neuauflage der offenbar sehr beliebten Trios heraus. Diese Auflage revidierte Kenns Schüler Louis François Dauprat (1781–1868) und erweiterte die Ausgabe auf 36 Trios. Die neu hinzugekommenen Stücke tragen die Nummern 25–36. Dauprat hatte diese zusätzlichen 12 Stücke sicher schon während seines Unterrichts bei Kenn kennengelernt und gespielt und gliederte sie nun in die Neuausgabe ein.
Auffällig in Kenns Kompositionen, die noch ausschließlich für das Naturhorn geschrieben wurden, ist das Bemühen, die starre chorische Besetzung der drei Hörner zu durchbrechen und Soli ebenso dem 2. und 3. Horn zuzuweisen. Kenns Trios finden später ihre Fortsetzung in den meisterhaften Trios Anton Reichas, denen sie sicher als Vorbild und Inspirationsquelle dienten. Auch Dauprat veröffentlichte in späteren Jahren zahlreiche Werke für 3 Hörner und würdigte Kenn in seiner Hornschule.