Giovanni Punto, oder wie er eigentlich hieß, Johann (Jan) Wenzel (Václav) Stich, wurde am 28. September 1746 in Žehušice/Čáslav, 75 km südöstlich von Prag, geboren. Er war einer der großen Hornvirtuosen des 18. Jahrhunderts und reiht sich ein in die vielen bekannten böhmischen Musiker, die aus ihrer Heimat flohen. Seine Eltern waren Leibeigene des Grafen Thun. Dieser ließ Stich auf dem Horn ausbilden. Zunächst hatte er Unterricht bei Joseph Matiegka in Prag (mit Gesangsausbildung), danach Unterricht bei Houdek und Hampel in Dresden.
1768 floh Stich aus der Leibeigenschaft des Grafen Thun und nannte sich sowohl zur Tarnung als auch zur besseren musikalischen „Vermarktung" Giovanni Punto. Es folgte 1768 eine kurze Anstellung in hohenzollerischen Diensten in Hechingen, 1769–1774 war er im Dienst des Kurfürsten von Mainz, danach bis 1780 in Würzburg angestellt. Ab 1781 spielte Punto in Paris in der Kapelle des Grafen von Artois mit lebenslänglicher Pensionsgarantie. Während der Französischen Revolution war er 1795–97 Orchesterdirektor am Varieté-Theater in Paris. 1799 verließ er Paris. Ab 1769 unternahm Punto zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa und begründete so seinen Weltruhm. Mozart hörte Punto während seines Aufenthalts in Paris und war begeistert. Im Jahr 1800 gab Punto gemeinsam mit Beethoven Konzerte in Wien und Budapest (Sonate op. 17). 1801 kehrte Punto triumphal nach Prag zurück. Giovanni Punto starb am 16. Februar 1803 in Prag an der „Brustwassersucht", einer damals unter Bläsern sehr häufigen Krankheit.
Die 15 Trios von Giovanni Punto sind zusammen mit Horntrios seines Lehrers Anton Hampel in einer Pariser Abschrift erhalten und überraschen durch die hohe Lage des 1. Horns. Es scheint sich um relativ frühe Werke Puntos zu handeln, denn seine im Druck überlieferten Werke nutzen fast ausschließlich die Mittellage. Möglicherweise entstanden sie noch während seiner Unterrichtszeit in Dresden unter der Aufsicht Hampels.