Konzert für 2 Hörner und Orchester Es-Dur (RWV C57)
Die vorliegende Partitur dieses Konzerts ist aufgrund ihrer komplexen Quellenlage für jeden Herausgeber zugleich Traum und Albtraum. Es existieren zwar fünf Quellen, aber keine davon ist ein Autograph oder liefert eindeutige Beweise für die Originalität. Für die Ausgabe wurden vier Quellen herangezogen:
der einzige Druck eines Konzerts für 2 Hörner von Rosetti, erschienen um 1786 beim Verlag Sieber in Paris
eine Abschrift aus der Sammlung Zwierzina/Wallerstein (III 4 ½ 2° 433)
eine Abschrift aus dem Stift Melk in Österreich (IV N 341)
eine Abschrift aus der Sammlung des Mozarteums in Salzburg (423c)
Alle Abschriften weichen voneinander ab, und der Druck von Sieber steht zudem in E-Dur statt in Es-Dur. Bei der Herausgabe wurde versucht, die wahrscheinlich ursprünglichste Fassung zu ermitteln. Dieses Verfahren stieß jedoch ab Takt 103 des 3. Satzes an seine Grenzen, sodass alle vier verschiedenen Schlussteile vorgestellt werden.
Die Fassung des Pariser Drucks mit Coda-Schluss ist auch für das im Autograph überlieferte Hornkonzert C 49 belegt. Dennoch erscheinen alle Varianten möglich, praktikabel und gleichwertig, sodass keine davon vernachlässigt werden sollte.
Alle Abschriften weisen kleine Eigenheiten auf. In der Wallersteiner Abschrift fehlt beispielsweise eine Kadenz im 1. Satz. Die Salzburger Abschrift fertigte der Hornist Johann Michael Mayr an, der den Solopart seinen solistischen Fähigkeiten anpasste. Die Abschrift aus Melk wurde kurioserweise einmal Mozart zugeordnet, obwohl der Kopist eindeutig Ant. Rosetti als Autor angibt.
Auch bei der Besetzung unterscheiden sich die Abschriften: Die Wallersteiner Abschrift enthält zusätzliche Oboenstimmen, die Melker Abschrift eine umgeschriebene Bratschenstimme des 1. Solohorns.
Die Beliebtheit des Werks zeigt sich an den zahlreichen Abschriften. Das Konzert scheint jedoch nicht für die Hornisten Nagel und Zwierzina komponiert worden zu sein. Bereits 1780 traten die Hornisten Palsa und Türrschmidt in verschiedenen Städten, darunter Paris und Leipzig, mit einem Doppelhornkonzert von Rosetti auf. Rosetti widmete das Hornkonzert C 49 dem Hornisten Türrschmidt, und der erwähnte Coda-Schluss des Pariser Drucks ähnelt diesem Konzert in der Form. Die Besetzung mit Flöten und das Fehlen der „zweiten“ Violastimme weisen eher auf ein früheres Kompositionsdatum hin, das auf Palsa und Türrschmidt zurückgeht, als auf die spätere Besetzung der Konzerte für Nagel und Zwierzina.
Im Anhang finden sich zwei Kadenzen für den 1. Satz aus den Abschriften von Melk und Salzburg. Sie ermöglichen es, Varianten aus dieser Zeit auf dem historisch korrekten Naturhorn zu spielen.