Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Dauprat in der Maîtrise de Notre-Dame de Paris, aus der er jedoch während der Revolution austreten musste (1790). Er gehörte zu den ersten Schülern der 1795 eingerichteten Hornklasse von Kenn am neu gegründeten Pariser Conservatoire und erhielt 1796 als Erster dessen 1. Preis für Horn. Anschließend war er Mitglied verschiedener Militärmusikformationen (enfants de troupe, garde nationale, später garde consulaire). Von 1801 bis 1805 besuchte er am Conservatoire den Kompositionsunterricht bei Catel und Gossec und nahm 1811 sein musiktheoretisches Studium bei Reicha wieder auf.
Von 1806 bis 1808 war er 1. Hornist im Orchester des Grand Théâtre von Bordeaux, von 1808 bis 1811 im Orchester der Pariser Oper, wo er den berühmten Hornisten Kenn und Duvernoy nachfolgte. Von 1816 bis 1830 gehörte er den königlichen und kaiserlichen Kapellen an, von 1832 bis 1842 der Musik König Louis-Philippes. Von 1802 bis 1817 war er (stellvertretender) Professor, von 1817 bis 1820 ordentlicher Professor am Conservatoire. Von 1828 bis 1838 war er Solist der Société des Concerts du Conservatoire de Paris.
Dauprats Kompositionen erweitern vor allem das didaktische und virtuose Repertoire seines Instruments. Nach seinem Zeitgenossen Fétis verfügte er über einen sehr schönen Ton und phrasierte mit seltener Eleganz. Dieser Bericht und die Untersuchung seines Unterrichtswerks reihen ihn, ganz im Sinne der Tradition, unter die größten Namen der französischen Hornisten ein. Er spielte und unterrichtete ausschließlich auf dem Naturhorn (ohne Ventile), interessierte sich aber für die ersten Versuche mit Ventilhörnern. Sein Name bleibt untrennbar mit den Quintetten Reichas verbunden, die er dem Pariser Publikum bekannt machte. Bei Hornisten ist sein Andenken bis heute so lebendig, dass sein Diplom des 1. Preises (unterzeichnet von Gossec und dem Gründer des Conservatoire, Sarrette) und sein Horn im Museum des Pariser Conservatoire ausgestellt sind.
4. Concerto für Horn und Orchester op. 19
Hommage à la Mémoire de Punto
Dieses Konzert ist dem Andenken des großen Hornvirtuosen Giovanni Punto gewidmet, den Dauprat noch persönlich in Paris hören konnte. Es nutzt vorwiegend die typische Mittellage des Horns.
Im Jahr 1860 fertigte Dauprat neue Partiturabschriften seiner Werke für Horn und Orchester an (heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris aufbewahrt). Dabei beließ er es nicht bei einer Abschrift, sondern unterzog die Werke einer Neubearbeitung, die teils erheblich in die Substanz eingriff. Vermutlich wünschte er, dass künftig nur noch diese Fassung („1860 par école Dauprat“) gespielt oder neu verlegt werde.
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Wegen der erheblichen Unterschiede konnte der Herausgeber die Fassung von 1860 nicht mit den Fassungen der Erstdrucke vereinen. Parallelen finden sich in der Bearbeitungshaltung gegenüber den eigenen Werken bei Robert Schumann, der seine 4. Sinfonie noch einmal bearbeitete (was Johannes Brahms gar nicht schätzte). Bei Schumann lagen jedoch etwa zehn Jahre zwischen Erstfassung und Bearbeitung, bei Dauprat 30 bis 50. Sein Verständnis von zu Recht vergessener Musik erklärt Dauprat in seiner Hornschule:
(…) Sogar die Musik von Punto wird nicht mehr gespielt und soll nicht mehr gespielt werden, zumindest nicht öffentlich, zum einen aus Gründen, die wir im Vorwort dargelegt haben, zum anderen wegen des Stils dieser Musik, der nun veraltet ist seit dem Fortschritt, der eindeutig auf die Gründung des Conservatoire zurückzuführen ist. (…)
Unser heutiges Musikverständnis sieht das anders: Wir betrachten Bach und Mozart nicht als antiquiert, sondern ihre Werke im Kontext ihrer Zeit. Dauprats Auffassung seiner Musik zur Entstehungszeit wich also stark von der seiner Edition von 1860 ab. Exemplarisch zeigt das sein 1. Concerto pour cor: Zunächst als Konzert für tiefes Horn (cor basso) geplant, erschien es als Nouvelle Édition für hohes Horn und wurde in den Ausgaben der Konzerte 2 bis 4 eigens als Nouvelle Édition beworben. Im Druck finden sich die Widmung an seinen Lehrer J. Kenn und am Ende des ersten Satzes nach der Kadenz ein schöner klassischer Schluss. In der Fassung von 1860 ist dieser zugunsten einer nur viertaktigen Schlussformel gestrichen, höchstwahrscheinlich, um nicht mit dem veralteten Stil verglichen zu werden oder um fortschrittlich zu wirken. Dort ist das Konzert wieder als Concerto pour cor basso bezeichnet, der hohe Hornpart ist nur ansatzweise und unvollständig in der cor-basso-Stimme mitnotiert, und eine Widmung an Kenn fehlt. Die Instrumentierung wurde verschnörkelt.
Der Herausgeber hat sich entschieden, den Erstdruck zu verwenden. Diese Ausgaben wurden zu Dauprats Zeit tatsächlich gespielt, sind häufig stimmiger und strukturell eindeutiger, schlanker in der Instrumentation und enthalten im Solohorn ganze Phrasen, die in der Edition von 1860 nicht mehr notiert sind. Bei der Edition des Concertinos von 1825 stellte sich das Problem nicht: Es existiert kein Druck, und Dauprat hat es nicht erneut umgearbeitet, sodass es als Erstdruck ediert werden konnte.
Der Herausgeber dankt Daniel Lienhard (Basel), einem meisterlichen Kenner der Werke Dauprats, für seine Unterstützung. Sehr lesenswert ist sein Aufsatz „Das Naturhorn in Paris“, der sich ausführlich auch mit Dauprat beschäftigt. Er erschien im Basler Jahrbuch für Historische Musikpraxis XV (1991), S. 81–115, Amadeus Verlag, Winterthur.