Concerto D-Dur für Horn, 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und Basso
Ein Konzert eines anonymen Komponisten ist für Verleger und Händler immer eine heikle Sache: In welche Schublade gehört die Komposition? Wie soll ein Händler sie zwischen zahlreichen anonymen Werken unterscheidbar machen? Der anonyme Autor ist ein ungeliebtes Kind. Eine gute Komposition bleibt aber eine gute Komposition.
Überlieferung
Das vorliegende Konzert ist leider nur anonym überliefert. Es stammt aus dem Besitz der Grafen von Clam-Gallas und war zuletzt im Schloss Frýdlant (deutsch Friedland) im nördlichen Böhmen aufbewahrt. Ursprünglich könnte es aus der Hofmusik des Grafen in Prag stammen. 1947 wurde die Sammlung in die Nationalbibliothek nach Prag verlagert. Heute liegt sie unter der Signatur XLII-C-382 im National Museum in Prag, Czech Museum of Music.
Ein eigenes Titelblatt existiert nicht, die einzelnen Stimmen tragen nur ihre Instrumentenbezeichnung. Die Besetzung besteht aus einem solistischen Horn, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso. In der Hornstimme sind die Tutti-Abschnitte am Anfang mitnotiert. Wegen der Einzeichnungen darin lässt sich nicht ausschließen, dass ursprünglich zwei Tutti-Hörner vorgesehen waren.
Zum Werk
Das solistische Horn wird bis zum notierten g³ geführt. Das ist eine sehr hohe Lage, zu dieser Zeit jedoch nichts Singuläres. Die Melodieführung zeigt, dass das Konzert für einen sehr versierten Hornisten komponiert wurde. Zeitlich ist es in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, um 1760, einzuordnen.
Beim Hochwasser 2002 in Prag wurden auch Teile der Nationalbibliothek überflutet. Dieses Konzert erlitt dabei große Schäden (siehe Bild 2) und wurde zunächst als nicht lesbar eingestuft. Mit viel Glück, Geduld und Technik konnte es gerettet werden.