Sechs Quartette op. 1 – Nr. 1–3 für Horn, Violine, Fagott, Violoncello
Six Quatuors concertants op. 1
Heft 1: 1.–3. Quartett für Horn, Violine, Fagott (Violoncello), Basso
Heft 2: 4.–6. Quartett für Horn, Violine, Viola und Basso
Diese Quartette erschienen um 1780 im Verlag Sieber, Paris, mit der Plattennummer 479 als Œuvre 1 von Punto.
Auch bei diesen Quartetten könnte es sich um ein Werk handeln, das Punto teilweise aus Kompositionen anderer Komponisten übernommen hat. Bei seinen Quintetten hatte er sich ebenfalls großzügig allein auf den Titel gesetzt; sein 1. Hornkonzert ist auch unter dem Namen Stamitz überliefert. Ebenso gibt es von diesem Konzert eine Abschrift unter dem Namen Pleyel, und der Rosetti-Forscher Sterling E. Murray ordnet das Werk Rosetti zu.
Am 16. Juli 1780 schrieb der Hornist Franz Joseph Lang aus München an Rosetti:
Ihr Talend verdients von der ganzen Weit bewundert zu werden, und da es auch von allen Liebhabern billig bewundert wird, habe ich das Glück, Sie durch den Ruf zu kennen. Daher auß innerlicher Hochschetzung und als Verehrer des Horns, welches ich zu meinem Gewerbe gewählet, angetrieben, verlange, weil es die Gelegenheit verhindert persönlich, doch schriftlich Bekantschaft mit Ihnen zu machen, Sie haben für Herrn Ponto sechs Quatuor gesetzt, wenn ich selbe um einen billigen Preis haben könte, in welchem Falle ich mein Ehrenwort von mir gäbe, jede Bedingung heillig zu halten mich verbinde. In Hoffnung dieser Gefälligkeit, die ich in der Zukunft suchen werde zu verdienen, erwarte ich auf jeden Fall eine Ihrem vortreflichen Talent gemäse Andwort, und verbleibe
ihr gehorsamer Diener
Franz Lang, der Ältere, hoff Waldhornist, wonhaft in der Brangerstraß
München, d. 16. July 1780
Nach diesem Schreiben verfasste Rosetti um 1780 für Punto sechs Quartette. Sicher ist dabei von der Besetzung Horn, Violine, Viola und Basso auszugehen. Denkbar wäre, dass Punto für einen „guten Einstieg" als Komponist Rosettis Quartette leicht in Besetzung und Anfängen änderte (ein Kennzeichen für ein „gutes" Plagiat) und unter seinem eigenen Namen drucken ließ. Eindeutig beweisen lässt sich dies nicht, Rosettis Originalquartette konnte die Forschung bislang jedoch nicht nachweisen.
Das Werk erscheint daher – mit allen Einschränkungen – unter dem Namen Puntos. Rein musikalisch ist es ein wertvolles Stück Solo-Kammermusik des ausgehenden 18. Jahrhunderts, das es verdient, musiziert zu werden.